»Ich küsse Dein Herz, Bruder« Der Linkenpolitiker Ferat Koçak steht in der Kritik, weil er Nachrichten mit dem Sohn eines Berliner Clanchefs ausgetauscht hat. Der ZEIT hat er Einblick in seine Chats gegeben und beteuert: Er habe den Mann nicht gekannt. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man die Geschichte von Ferat Koçak und der Familie Rammo verstehen kann. In der einen ist der Bundestagsabgeordnete Koçak ziemlich naiv – und in der anderen: lügt er. Am Montag sitzt Koçak in einem Büro in der Parteizentrale der Linken in Berlin. Vor ihm steht sein Laptop, ein paar Blätter mit Notizen und die Ausdrucke der Chats, über die das halbe Land seit Tagen diskutiert. Darin hat er sich mit Firas Rammo ausgetauscht, dem Mitglied einer arabischen Großfamilie in Berlin. Das folgende Gespräch soll seine Verteidigung werden, er will »Transparenz« herstellen, wie er sagt, und mit der ZEIT über die Vorwürfe gegen ihn sprechen. Am Wahlabend in Berlin war zunächst der Vater von Firas Rammo, das Familienoberhaupt Issa Rammo, auf der Wahlparty der Linken in Neukölln erschienen. Er war dort offenbar recht schnell erkannt und von der Feier verwiesen worden. Aber da waren schon die ersten Fotos in der Welt, auf denen Issa Rammo auf der Party zu sehen war, auf einem der Bilder zeigt er ein Victory-Zeichen in die Kamera. »Clan-Boss feiert mit der Linken«, lautete eine Schlagzeile. Kurz darauf platzte die zweite Bombe. Firas Rammo, der Sohn, veröffentlichte Chat-Nachrichten zwischen ihm und Ferat Koçak, in denen Koçak Grüße ausrichtete, »mit Respekt zurück an Deinen Vater«. Seitdem steht der Verdacht im Raum, dass der Abgeordnete Koçak mit kriminellen Clans gemeinsame Sache macht, schließlich waren es Mitglieder der Familie Rammo, die vor einigen Jahren eine Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen hatten und den Schatz der Sachsen aus dem Grünen Gewölbe in Dresden. Koçak zog sich zunächst aus der Öffentlichkeit zurück und ließ viele Fragen offen, auch die der ZEIT. Die Geschichte, die Koçak an diesem Montag in Berlin erzählt, geht so. Zu Beginn des Jahres hätten Jugendliche aus einer Antifa-Gruppe einen Aufruf gestartet, weil sie neue Handys brauchten, nachdem ihnen die eigenen von der Polizei abgenommen worden waren. Koçak postete daraufhin bei Instagram: »Hat jemand ein Smartphone abzugeben«. Er sagt, daraufhin hätten sich mehrere Menschen gemeldet, unter ihnen auch Firas Rammo. In dem Chat mit Rammo, den Koçak an diesem Vormittag ausgedruckt vor sich auf den Tisch legt, kommentiert Rammo die Frage von Koçak mit: »Ja gerne ich«. Koçak antwortet mit einem roten Herz. Er schreibt: »Bruder kannst du senden an« und schickt ihm die Adresse seines Büros. »Gerne«, antwortet Rammo, aber wenn Koçak wolle, könne er das Handy auch vorbeibringen. »Bruder, egal was du brauchst, egal was ich für dich tun kann, lass mich wissen«. Koçak antwortet wiederum, er sei am nächsten Tag nicht im Büro. Und dann: »Kann vorbeikommen. Sag wo und wann ich bin da. Hier meine Nummer Bruder«, gefolgt von seiner Handynummer. »Mein Vater grüßt dich herzlich und freut sich auch, dich zu sehen«, schreibt Firas Rammo zurück. Koçak reagiert auf diese Nachricht mit der Antwort, die Firas Rammo am Wahlabend veröffentlichte. »Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater«, schreibt er. »Ab wann bist du im Büro?« Daraufhin verlagert sich der Chat auf WhatsApp. Am Montag breitet Ferat Koçak weitere Nachrichten ausgedruckt vor sich aus. Es sind Chats mit anderen Menschen, einem Rapper, einem Sozialarbeiter, die er auch »Bruder« genannt habe, obwohl er sie gar nicht kenne. In einem Chat nennt er seine Fraktionsvorsitzende Heidi Reichinnek »Schwesta«. Was er sagen will: Das Wort Bruder ist nichts Besonderes. Aber gibt es nicht einen Unterschied zwischen Frau Reichinnek und Herrn Rammo? 👉 Quelle 🔘 Unterstützen & Abonnieren ! 📱 www.kulturstudio.tv
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