🇮🇶 KURDISTAN VOR REVANCHE UM KIRKUK? Die beiden wichtigsten politischen Kräfte im Irakischen Kurdistan, KDP und PUK, haben ihre Peschmerga-Kräfte unter ein gemeinsames Kommando gestellt. Damit wird eine der größten militärischen Schwächen der Kurden beseitigt: Bislang standen die Streitkräfte faktisch in zwei getrennten, parteigebundenen Strukturen unter KDP- bzw. PUK-Kontrolle. Diese Spaltung trug 2017 wesentlich zur Niederlage der Kurden bei. Nach dem Unabhängigkeitsreferendum rückte die irakische Armee in die umstrittenen Gebiete vor und übernahm innerhalb eines Tages rund 22 Prozent des zuvor von den Kurden kontrollierten Territoriums. Die Peschmerga wurden unter anderem aus der ölreichen Provinz Kirkuk zurückgedrängt. Mit der Vereinigung ihrer Streitkräfte könnten die Kurden nun langfristig versuchen, die damalige Niederlage zu revidieren. Im Zentrum steht Kirkuk – von vielen Kurden als „kurdisches Jerusalem“ bezeichnet. Die multiethnische, ölreiche Stadt und ihre Umgebung gelten als entscheidend für die wirtschaftliche Grundlage eines möglichen unabhängigen Kurdistans. Eine Rückkehr Kirkuks unter kurdische Kontrolle könnte dabei die Grundlage für einen erneuten Unabhängigkeitskurs schaffen. Dafür müssten die Kurden jedoch nicht nur Bagdad gegenübertreten, sondern auch die Interessen der arabischen und turkmenischen Bevölkerung sowie der Nachbarstaaten berücksichtigen. 🇹🇷 Gleichzeitig versucht die kurdische Führung, ihr Verhältnis zur Türkei weiter auszubauen. Ankara wiederum sieht in der KDP und der Familie Barzani einen möglichen Partner, um den kurdischen Faktor in der Region stärker auf eigene Bedingungen auszurichten. Die entscheidende Frage lautet daher: Wird die Vereinigung der Peschmerga lediglich eine militärische Reform bleiben – oder ist sie der erste Schritt zu einer neuen kurdischen Machtprobe um Kirkuk?
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